Bastard Fools – auf der Suche nach der Schärfe

Was passiert in Kurzformat:

Money in the future wird dich zertstören

Es darf dort keins geben

Man muss tot üben, every five minutes

Wir sind zusammen

We will sing and never loose happiness in the future

Ihr müsst ehrlich sein und alles abgeben

Menschen mit Glitzerleggins, komischen Kopfbedeckungen, in denen Nadeln stecken und weird Omabrillen werden dich begleiten!

 

Dass es schärfer werden müsste, erklärt mir Barbara Seifert nach der Vorstellung. Sie ist eine der Mitwirkenden bei Weird III, einer trashig und partizipativen Abschlussperformance vom Wunder der Prärie Festival.

Die Bastard Fools, die ich schon vor zwei Jahren beim 100° Festival Berlin gesehen habe, kehren mit Weird III zurück in die Gegenwart. Der Inhalt ihrer Performance, scheint auch ein bisschen auf ihr Kollektiv zu zu treffen: wo auch immer die einzelnen Bastards so herkommen, sie tauchen zusammen jedenfalls nur ab und zu mal auf und spielen uns kleinere und größere Performancestreiche. Beim -Revue/Passieren/lassen- frage ich mich nun, angeregt durch den Barabaras Kommentar, nach der Schärfe.

Unscharf bleibt die Energie bei allen Anwesenden, denn ganz wach bekommen sie das müde Publikum in dem sauerstoffarmen Bühnenraum leider bis zum Schluss nicht, obwohl das die Performance schaffen kann. Alle fünf Minuten müssen wir eine Minute tot spielen. Ich selbst freue mich jedes Mal darüber und würde am liebsten liegen bleiben. Anderen scheint es ähnlich zu gehen.

Was außerdem passiert ist ähnlich wie beim letzten Mal, als ich es gesehen habe. Wir sind alle in einem Raum zwischen Gegenwart und Zukunft und werden uns gemeinsam mit dem Performenden nun darauf vorbereiten in die Zukunft zu gehen. Mit Taschenlampen und Dunkelheit wird zu Beginn für entsprechend „spacige“ Atmosphäre gesorgt, wobei sehr schnell klar ist, dass hier nichts ohne den sympathisch absurden Humor zu nehmen ist. Wir Gäste sind im Raum verteilt, eine Tribüne gibt es diesmal nicht. Die Performenden halten uns in Bewegung, spätestens ab dem Moment wo wir gebeten werden uns bestimmten Kategorien zu zuordnen. So dauert es nicht lange und ich stehe in einer Traube von Menschen hinter Heiko (oder war es Özgur oder doch Barabara?), weil ich zu denen gehöre, die schon halluzinogene Substanzen genommen haben. Später fühle ich mich wieder angesprochen, als einer der Bastard Fools ruft: „Alle die gerade ein Kleidungsstück am Körper tragen welches älter als fünf Jahre ist, kommen hierher!“

Der eigentlich „scharfe“ Teil der Performance folgt dann: Um in die Zukunft zu kommen, müssen wir bei der Bank of Fools (die die Bastards innerhalb von Sekunden mit Hilfe von ein paar Podesten und einem eigenen Regelwerk etablieren) unser Geld abgeben und unterschreiben, dass die die Bastard Fools dafür nicht haften. In kurzer Zeit etabliert sich eine Wartesituation wie am Flughafen. Alle Gäste werden einzeln vor gebeten, können ihr Geld abgegeben, erhalten einen Luftballon als Pfand, werden abgetastet und in den anderen Teil des Raums gebracht. Irritation ist dabei natürlich vorprogrammiert und bleibt nicht aus. Aber richtig scharf erscheint es mir nicht. Ich glaube auch nicht, dass hier jemand der Situation misstraut. Schließlich handelt es sich ja um die Abschlussveranstaltung dieses perfekt organisierten Festivals und da wird es ja nicht wirklich zu einem einer ernsthaft unangenehmen Situation kommen, oder?

Vielleicht geht es aber nur mir so, weil ich das Ende schon kenne. Doch es gibt viele zögernde Gesichter, sicher auch ein paar Gäste, die das Portemonnaie sicherheitshalber etwas tiefer in die Tasche schieben oder obligatorische 2 € rausholen, die sie verschmerzen können.

Es gibt aber einen Mann der sich plötzlich laut darüber beschwert, rücksichtslos abgetastet zu werden. Er schreit einen der Bastards regelrecht an. Die Schärfe seines Tons nimmt den Performenden gänzlich ihre Schärfe. Ich spüre wie sie verunsichert versuchen die Situation zu retten und sein Anliegen dabei wichtig zu nehmen. Sie könnten jetzt auch ihre Macht ausspielen, ihn ignorieren, rausschmeißen, auflaufen lassen, kurz die Situation zum ersten Mal zu einer grenzwertigen Schärfe bringen. Aber das machen sie nicht und genau das gefällt mir.

Mir ist dieses Dilemma, einerseits grenzwertige und provokante Situationen zu schaffen und andererseits nicht übergriffig werden zu wollen, bekannt und ich mag es, wenn eine beidseitig gleichwertiger Unsicherheit in Performances entsteht. Das Machtverhältnis bzw. Machtgefälle zwischen Zuschauenden und Performenden bleibt nicht konstant und kann von allen Anwesenden geprägt werden

Ob ich das als scharf bezeichnen kann, weiß ich nicht. Aber ich finde (wieder!), dass das die Stärke der Performances von den Bastard Fools ist.

Die Stimmung vom letzten Teil der Performance versuchen wir dann gemeinsam zu heben in dem wir uns zu blöden Gesang mit noch blöderen Bewegungen animieren lassen, rumtröten und Luftballons schmeißen und uns sanft von der clownesken Attitude der Performenden anstecken lassen.

Dafür werden wir von ihnen beim Applaus umarmt und abgeküsst

 

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