Irrungen, Wirrungen.

Auf der Bühne sehen wir einige Pappkartons in unterschiedlichen Größen, die Bühne betritt, anfangs selbst von mehreren Pappkartons verhüllt Simon Mayer. Er spielt, nachdem er sich aus den Kartons befreit hat, in Fremdscham erzeugender Deutlichkeit einen konfusen Performer (sein Sakko etwa ist betont falsch geknöpft), versucht maniriert eine missglückte Kontaktaufnahme zum Publikum glaubhaft darzustellen. Unter den Pappkartons zaubert er Lautsprecherboxen, aber auch einige andere Acessoires hervor, mittels derer er Geräusche erzeugt.

FRITZ: Ja, aber da stellt sich für mich auch schon die erste Frage: Warum die Kartons, wenn er sie dann eh wegnimmt?

FRIEDER: …und auch schon weiß, was sich darunter befindet..?

FRIEDA: Vermutlich nur damit wir am Anfang nicht schon alles sehen.

FRITZA: Für mich ging es anfangs um die Differenz von Innen und Außen, die ja auch auf der Textebene behandelt wurde, wenn Simon Mayer beispielsweise feststellt, dass auch kleine Dinge laut sein können. Dies fand ich genau so lange spannend, bis ich gemerkt habe, dass die Boxen nicht weiter thematisiert, sondern einfach nur weggeworfen werden. Und unter den Kisten kamen auch nicht gerade spannende Dinge zutage, sondern einfach nur diese Musikboxen. Vielleicht hätte er hier besser etwas spannenderes hervorgezaubert!

FRIEDZ: Ich habe genau das, auch in Zusammenhang mit seinem Gesprochenen, als einen explorativen Gestus verstanden. Dass er uns seine ‘magische’, ‘verrückte’, ‘andere’, ‘Monkeymind’-Welt sichtbar machen will. Deshalb spricht er ja immer “Do you know …?” , und deshalb auch das wahnsinnig kreative Erklären von eigentlich bekannten Begriffen. Die Kartons sind dann wie kleine Schatzkisten aus seiner Welt.

FRIENZISKA: Die kreativen Erklärungen mochte ich aber wirklich. Ich wurde mehrmals von den Wendungen überrascht und lag mit dem, was ich meinte vorauszusehen fast immer falsch.

FROG: Ich fand sie kitschig.

FRÖTZ: Das gehörte Alles zur Ausgestaltung der Rolle. Des Verrückten.

F.: Das war aber alles ein bisschen dick aufgetragen! Muss denn ein Verückter erst einen Pappkarton anhaben, dann darunter ein falsch geknöpftes Sakko tragen und darunter wiederum eine Weste, die auf links gedreht ist?

FATZER: Im Verlauf des Stücks gab es da aber eine Wandlung. Er hat nach und nach seine verrückten Kleidungsattribute abgelegt und auch auf der sprachlichen Ebene wurde er verständlicher, ruhiger und geordneter. Am Anfang findet er ja gar keine Worte, dann stammelt er herum und wenn er dann immer mehr zur musikalischen Ebene übergeht, auf der er sich ja sehr souverän bewegt, verschwindet das unsichere/ verrückte beinahe vollständig. Auch sein fehlerhaftes Englisch fällt ja in den Liedtexten weg, die sind in korrektem Englisch geschrieben.

FRIDA: Aber mal ehrlich, dass hat ihm doch keiner abgenommen, mit der Unsicherheit, die er am Anfang spielt. Das war doch total schlecht gespielt! Jeder hat doch das schlechte Klischeetheater durchschaut.

FRITTENPAULE: Ich denke, dass es genau darum geht. Nämlich, dass er solche Performances parodiert, in denen am Anfang der Performer reinkommt und so tut, als wäre er schüchtern und weiß nicht was er sagen soll, dabei ist doch eine solche Performance vorher immer gut geprobt und ein Performer, der sich freiwillig vor ein Publikum stellt, ist nie so schüchtern, dass es ihm unglaublich wahnsinnig unangenehm wäre, dort vorne auf der Bühne zu stehen. Er setzt sich ja nicht nur mit der Performerhaltung auseinander, sondern auch mit unserer Haltung als Publikum, wenn er trotz dem ganzen unruhigen Gehampel seinen Blick zum Publikum fast permanent aufrecht hält.

FREEZY: Gleichzeitig ist diese Haltung zum Publikum aber irgendwie auch zu undefiniert. Warum genau will er offensichtlich, dass irgendwer aus dem Publikum ihm die Tür öffnet? Warum kann er nicht einfach selbst die Tür aufmachen oder woanders hereinkommen, das ist doch viel zu blöd geschauspielert… also mir ist als Teil des Publikum völlig unklar geblieben, wie das Verhältnis zwischen mir und ihm ist.

FRIEDEL: Aber etwas absichtlich so zu spielen ist doch noch keine interessante Auseinandersetzung mit der Thematik.

FRY: Wenn man es ernst nimmt aber auch nicht.

FRIEDERIKE: Naja, jetzt im Nachhinein lässt sich das vielleicht so sehen, aber während des Stückes hat doch keiner von uns hier eine Parodie gesehen. Das kam doch wenn erst am Ende, als er das schüchterne Schauspielen schon halbwegs abgelegt hatte.

FRIEDRICH: Ich glaube immernoch dass es bei dem, was er uns da vorgespielt hat weniger um Schüchternheit oder Unsicherheit ging, als um das Verückte, Verquerte, das Abseits-Der-Norm-Sein.

FREYA: Vielleicht wollte er durch die Wahl dieser etwas verwirrten Rolle einen Kontrast zu dem Kitsch schaffen, den man seinen poetischen Sprachbildern sonst unterstellen könnte.

FRINZ: Damit hat er aber auch sonst sehr offensiv gebrochen. Zum Beispiel als er seinen Körper verkabelt hat, damit wir seinen Herzschlag hören und der Fernsehr im zugehörigen Rythmus flimmert, da hat er stundenlang gebraucht um das ganze aufzubauen, und als es endlich fertig war hat es gerade mal für 20 Sekunden getragen und dann hat er auch schon alles wieder abgebaut.

FRYKE: Aber ist das nicht gerade etwas Charmantes? Es wäre doch viel nerviger, wenn es nur 20 Sekunden tragen würde und er würde das Bild trotzdem für 2 Minuten stehen lassen. Es gibt doch genug Performances, die genau so etwas tun.

FREAK: Ich glaube, dass das Herzding auch gar nicht technisch funktioniert, und es war einfach irgendein vorproduziertes Video. Bei den Glühbirnen, die ständig an und aus gingen, dachte ich auch lange Zeit, es gäbe irgendwelche Trigger auf der Bühne, die über Rythmus und Intensität des Leuchtens entscheiden. Dann habe ich gemerkt, dass der Typ am Lichtpult sich die ganze Zeit über abmüht und die Glühbirnen alle einzeln hoch und runter regelt, um sie so im Wechsel leuchten zu lassen. Alles läuft super automatisch und technisch ausgefeilt, aber das Licht vorher einprogrammieren konnten sie nicht?

FRIDOLIN: Ich dachte tatsächlich bis eben, die Glühbirnen wären irgendwie automatisiert. Wenn sie es tatsächlich per Hand gemacht haben hätten sie sich ja vielleicht auch etwas weniger Plattes einfallen lassen können als das simple Schema: die Glühbirnen werden heller, wenn der Performer höher singt und gehen aus, wenn er aufhört zu singen.

KARLHEINZ: Das mit den Glühbirnen war sowieso ein Witz es hat ja gar keinen Unterschied gemacht, ob sie angeschaltet waren oder nicht. Das Saallicht war sowieso so hell, daß die Glühbirnen völlig in den Hintergrund getreten sind. Der ganze Raum war echt schlecht ausgeleuchtet.

FRINHILDE: Die Differenz aus Können und Nicht-Können war ja auch auf anderen Ebenen Thema. Es gab ja auch diese Mulitifunkitionskiste, aus der erst die Gitarre rausgeschwebt kam und später Seifenblasen und Konfetti und so … Erst beim Applaus wurde dann aufgedeckt, dass in der Kiste eine Praktikantin saß!

FRTZ: Das fand ich ganz schön dreist, dass da die ganze Zeit lang eine arme Festivalpraktikantin drin sitzen musste. Das war doch echt nicht nötig. Wozu gibt es Seifenblasen-Maschinen? Und hätte er nicht einfach die Gegenstände aus der Kiste herausholen können ohne diesen ‘Magic’-Effekt, dass die Dinge einfach so auftauchen?

FRIGIDA: Wie gesagt, ich fand dieses Spiel ganz interessant, dass das mit den Kisten so inkonsequent gelöst war. Außerdem saß ja der Musiker auch die ganze Zeit in einer Kiste, und da hatte man nicht das Gefühl, dass das komisch wäre. Man hat ja selbst beim Applaus nicht sein Gesicht gesehen, sondern immer nur seine Arme, die aus dem Karton rausguckten.

FRATZ: Ich hab ihm bzw. seinen Armen sehr gerne zugeguckt, wenn er das Tonpult bedient hat oder Sounds auf der Schreibmaschine gemacht hat. Auch während er nichts zu tun hatte, hatten seine Hände so eine faszinierende Mischung zwischen Spannung und Losgelöstheit, wenig illustrierend. Da mochte ich es auch, dass es am Ende unaufgelöst bleibt, wie der Rest des Körpers aussieht.

FRIEDAFRITZ: Dafür, dass einige das Stück ganz schön gut fanden, kommt es hier aber ganz schön schlecht weg.

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