1. Intervention

Entschlossen, nicht auf eine wilde, ungestüme Weise, sondern ruhig, beinahe besonnen kommt mir Petra Zankis Tanz vor. Entschlossen tritt sie auf, vollführt und wiederholt sie ihre Bewegungen.

Ihre Arbeit an diesen Bewegungen auf der Bühne fällt heraus. Sie unterbricht den Festivalrythmus, indem sie dem dichten, schnell aufeinander folgenden Programm des Wochenendes seine Geschwindigkeit nimmt. Für sich allein stehend würde dieser Abend sicher ganz anders zu empfinden, vielleicht weniger zu schätzen sein, zu diesem Zeitpunkt jedoch, an diesem Samstagabend, eingebettet in ereignisreiche Tage tut es gut, Petra Zanki auf der Bühne tanzen zu sehen.

Vielleicht erschöpft es sich manchmal auch schon in diesem bloßen zusehen, vielleicht ist das schon alles – ihren Bewegungen zuzusehen.

Sicherlich läuft die Arbeit Gefahr meditativer Hintergrund zu bleiben, sich als Aufwärmübung gar Sonnenaufgangs- und Wind-in-den-Wiesen-Kitsch zu verlaufen.

Bestimmt sind die teilweise unmerklich kleinen Variationen, die Übergänge von einer fließenden Bewegung in die Andere, die Rythmuswechsel, die Kontinuität, die Konsequenz (oder sollte es besser Durchhaltevermögen heißen?) zu bewundern, doch was macht Paces darüber hinaus zu einer gelungen Inszenierung, die Aufführung zu einer Erfahrung, an die es sich zu erinnern lohnt?

Im Nachhinein lässt sich wunderbar über allerlei in den Sinn gekommenes nachdenken. Es ließe sich vermuten, das Hin-und-Her-Wiegen, Sich-in-den-Wind-Legen der Tänzerin affektiere das Publikum, wirke sich aus, lulle ein, fokussiere auf die Bewegung, wegtreibend vom Performerinnenkörper (vielleicht vielmehr eine von ihr ausgehende Bewegung in den Raum, die sich multipliziert, sich wie die Schwingungen eines Klanges ausbreitet, zurückgeworfen wird, die Tänzerin erneut anstößt, als eine Raumschwingung wahrgenommen, die jeden Ursprung verliert)

Es ließe sich über das Grau in Grau, die Milde und manchmal störende Sanftheit der Bühnensituation reden, über eine allzu vorhersehbare Dramaturgie, ohne Brüche oder Überraschungen, ohne Überschwung. Über die Möglichkeiten, die aus den einfachsten Bewegungen erwachsen, sich weiterranken, verwachsen und wuchern. Über die Dichte einer solchen Verästelung, aber auch darüber, wie dennoch nichts aneinanderstößt, sich alles zueinander ausbalanciert. Darüber, wie sich ein solches Gebilde hermetisch abriegeln kann und somit dem Zuschauer den Einstieg erschwert, vielleicht sogar unmöglich macht.

Doch sperrt sich eine Arbeit, wie Paces, die auch einfach eine Feldforschung sein könnte (im wahrsten Sinne des Wortes), nicht eigentlich gegen solch einen Komplex aus Überlegungen und Theorien? Die Wiese, die Weise in der sich die Gräser im Wind bewegen ist bereits komplex/Komplex, unendlich ergiebig in seinen Dynamiken, Bewegungen, Tempi.

Mir fällt ein, dass es in Minuten eine recht kurze Arbeit war. Mir fällt auf, dass wenn ich mich heute erinnere, Paces kaum mehr als ein Moment war, vielleicht kaum mehr als dieses Aus-der-Zeit-fallen, das bloße Zusehen, das Geschehen- und Vorübergehen-Lassen hinterlassen hat.

Bevor der Raum außergewöhnlich ruhig geräumt wird, beobachte ich manche Zuschauer/innen auf den Sitzen herumhopsen, als zöge die Geschwindigkeit jetzt wieder an.

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Ein Gedanke zu „1. Intervention

  1. Für mich war Paces die vielleicht schönste Arbeit des Festivals bisher. Wiederholung ist nicht Wiederholung und die scheinbar meditative Haltung ist in Wahrheit sehr genau kalkuliert.

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