alla goodbye – kulturelle kriegsführung und die musik der freiheit, 20.09

eingerahmt von roten samtvorhängen findet das zweite gespräch des collini social clubs im cafe der alten feuerwache statt. der panzer steht unbesetzt (und unbesetzend) noch am alten messplatz. eigentlich wäre der als austragungsort geplant. da die bremsen des gefährtes nicht ausreichend funktionieren, lasse ich mir mitteilen, wird er momentan als gefährdung des straßenverkehrs (!) empfunden und ist gerade außer gefecht gesetzt.

beim betreten des cafes umfängt mich die warme röte der vorhänge, die musik der freiheit ist dick eingemummt. dafür ist es aber auch gemütlich warm, viel bequemer als am kühl umwehten messplatz. aber die beteiligten lassen sich nicht einlullen vom sie umgebenden comfort. musikkenner und geschichtsliebhaber unter sich (no gender-typing necessary, again). thema: heiße spuren der amis, hillbilly, jukeboxes, musikalische querschläge, die vebindende und/oder auch trennende macht der musik. cafe kinzig ( jan-phillip possmann und oliver rack ) sind wieder als strukturgebende formation vertreten, zum gespräch baten sie diesmal  „DJ und Autor“ thomas meinecke, „Amerikanist“ philipp gassert und „Plattensammler“ klaus hiltscher.
gehuldigt wurde mama musik in all ihrer schöpferischen kraft. interessant waren besonders  hinweise darauf, in welche richtungen diese potenz wirksam werden konnte. dass einerseits „viele junge deutsche musiker“ vom blues inspiriert wurden und jazz ersehnten. dass andererseits die deutsche szene gespalten war in „haupschüler die dann rock’n roll spielten“ und „intellektuelle“ die sich dann doch dem jazz hingaben, in bars aber hillbilly spielen mussten. dass musikalische strömungen eigentlich stark verbindende elemente zwischen deutschen natives und US-amerikanischen besetzer_innen darstellten. beispielsweise wurde die anwesenheit der US-army als ausschlaggebend für die auseinandersetzung vieler mannheimer_innen mit der anwesenheit differenter ethnizitäten besprochen, denn  „die deutschen lernten dadurch mit dem leben in einer multi-kulti gesellschaft umzugehen“. andererseits blieben aber innerhalb beider seiten gräben bestehen,  die schwarz-weiß trennung schlug sich unter anderem auch in der aufteilung öffentlich-privat nieder. obwohl die army ethnisch vielfältig war mussten black soldiers  in abgetrennten clubs ihre freitzeit und nächte verbringen. wusstet ihr besispielsweise, was der begriff brown paper bag noch bezeichnet? die farbe brauner papier tüten, in denen heute noch auf märkten oder kleinläden unsere obst- und gemüseauswahl verschwindet, wurde als kriterium für die möglichkeit der teilnahme „vielfärbiger“ orchester erwählt. zu dunkel bitte doch nicht! dies nur als detail am rande. hitzig wurde die diskussion als es um die benennung der ersten, coolsten mannheimer diskothek ging. die frage , obwohl wild debattiert, konnte nicht eindeutig geklärt werden. wie man sieht, die warmen spuren dampfen, may further research begin!
ein angenehm gepolstertes gespräch, dass sich gerne auch schwelgend fallen lies in vergangene musikalische highlights. die möglichkeit eines aufglimmens bleibt bestehen und erwärmt. ein blinklicht wurde auch auf die frage geworfen, was denn  geschehen solle, mit diesem nun als vergangen betrachtetem abschnitt amerikanisch (musikalische, kultureller) besetzung. und hier hat die diskussion in jedem fall fühlbar gemacht, welche begeisterung die alten songs  immer noch auslösen, welche debatten noch weiter zu verfechten sind. und dass man dieses stückchen zeitgeschichte eigentlich kaum als abgeschlossen betrachten kann. so erfrischend vielfältig wie die gesprächsstränge verliefen, so durchwachsen sollte auch die auseinandersetzung mit einem weiteren umgang bleiben, der heterogenität als einzig fixe prämisse setzt.

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