Späte Ankunft auf dem Festival

Vorgestern führten sich Fritz und Frieda ein Gläschen 108er zu Gemüte. Sie verloren ihr Gedächtnis und wachten erst auf, als man ihnen in einer Kantinenhalle einen Klecks Tomatensauce und eine Aubergine vorsetzte. Nach wenigen Bissen waren die Teller leer und einige Handgriffe später gespült. Ein wenig gestärkt und geringfügig aufgepäppelt galt es nun, sich der Umwelt gewahr zu werden, die sie umgab.

Das Wort “Fest” hat seinen Ursprung in dem lateinischen Adjektiv festivus, das ungefähr soviel bedeutet wie “niedlich”, “hübsch”, “dem Vergnügen geweiht” oder “gesellig”. Spricht der Lateiner von einem menschlichen Charakter als “festivus”, so meint er damit, daß er ein herzliches Gemüt hat, nicht steif und durch Regeln festgelegt, sondern kurzweilig und offenherzig, vielleicht bisweilen sogar ein wenig unkontrolliert, stets jedoch vergnügt und vergnüglich.

Frieda und Fritz blickten sich um auf dem Innenhof, einige Menschen hatten sich vereinzelt niedergelassen und gingen Tätigkeiten nach. Man beschied ihnen, es sei heute nicht sehr viel auf dem Programm, weshalb man den Tag ruhig angehen könne. Nicht sehr viel los — das war auch der erste Eindruck von Frieda und Fritz.

Wenn hier verschiedene Menschen herumstreifen, weder eilig, noch in besonderem Engagement verhaftet, stellen sich Frieda und Fritz  in ihrem Bedürfnis zur Selbstverortung die Frage, welches Ziel, welches Interesse hier das vorherrschende ist. Es scheint Pläne und Programme zu geben, jeder Schritt wird dokumentiert. Sitzen zwei auf einer Bank, scheint der Photograph nicht weit und sitzen drei auf einer Bank, ist bereits die Presse alarmiert und stürzt sich auf das Happening.

Der Kuchen allerdings ist es wert, dass man ihm einen eigenen Absatz widmet. Frieda und Fritz sind außerordentlich zufrieden, denn obwohl er mächtig ist und durchaus sattmachend, ist er ausgesprochen lecker und saftig. Obwohl sich Frieda und Fritz keinen rechten Reim daraus machen konnten, warum sich eine Hand voll Menschen hier trifft um sich zu photographieren, weshalb einige von ihnen an diesem verlassenen Ort derart angespannt herumlaufen, beschlossen sie, am nächsten Tag erneut zurückzukommen, um auch die anderen Kuchensorten zu kosten.

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