Kollektive Konzentration ist durchaus endlich.

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Die große gemeinsame Konstruktion lässt sich natürlich nicht in Textform wiedergeben.Darüberhinaus bezweifeln wir, dass unsere Fotos, ja irgendeine Form von Abbildungen den Ausmaßen und der Großartigkeit dieses Mammut-Projekts auch nur annähernd gerecht werden kann. Was hier also angeführt werden kann ist ein bescheidener Versuch.

Das soziale Band ist ein Hörspiel über das Hörspiel, eine Sendung über die Sendung. Es reicht weit zurück in die Vergangenheit bis zur Ursendung selbst, es schaltet sich immer wieder in die Geschichte ein, es ragt, es funkt in die Zukunft. In Referenz auf die Titel “soziale Bausätze”, “soziales Band” drängt sich die Überlegung auf, die gemeinsame Arbeit an einer Konstruktion, mit einem Legobaukasten, mit demselben Text auf den Ohren hätte ein verbindendes, ein gemeinschaftsstiftendes Element. Ergibt sich etwa eine Baudynamik, die sich von der Hörspieldynamik ableiten lässt. Ergeben sich zum Beispiel Momente in denen schnell getürmt wird, andere in denen bedächtig gebastelt, wieder andere in denen dekonstruiert, gar alles zerstört wird? Inwieweit überträgt sich also der Text im Ohr auf den Stein in der Hand? Wann ist die Verbindung stärker, wann schwächer?

Das furiose vorgezogene Ende (das Essen kommt auf den Tisch, das Lego wird geräumt) durch vollkommene Zerstörung. Gewaltige Pendel läuten den Abriss ein. Unter der grünen Legowiese rutschen und vibrieren die Erdmassen. Die Verbindungen brechen ab, alles, was in die Höhe geht, fällt in die Tiefe – wird eingestampft. Wir machen voller Freude alles platt!

Zuvor nimmt ein außerirdisch anmutendes Wesen mit riesigem, heuschreckenartigem Kopf eine lange Wanderung über die Grenzen der grünen Wiese auf. Hinaus aus der Basis, hinein in den Äther, zwischenlandend auf Brücken in schwindelerrender Höhe.

Kollektive Konzentration ist durchaus endlich.

Verbindungen werden geschlagen. Wo es anfangs klare Trennungen zwischen den Parzellen gab, die Grünflächen klar umgrenzt waren, nimmt jetzt das “wilde Bauen” überhand. Legosteine, die an anderen Ecken verbaut sind, werden für die eigene Arbeit kurzerhand abmontiert. Die Baufläche ist jetzt kein Hindernis mehr, Brücken in unbekannte Gefilde werden errichtet. Die Bewohner dieser “großen gemeinsamen Konstruktion” haben so die Möglichkeit, unter den Tisch, unter die Erde, auf die Tasten der Laptops oder direkt per Kopfhörerkabel in die Ohren zu gelangen. Alles steht hier miteinander in Beziehung. Schon bald ist nicht mehr eindeutig auszumachen, wer hier Konstrukteur_in , wer Sprecher_in, wer Bewohner_in, wer Robert Schoen, wer Radio, wer Ricarda Franzen, wer Legofigur, wer Hörspiel, wer Peter Sloterdijk, wer Legostein usw. ist!! “Panta Rhei “(Heraklit) Die Identitäten fließen durcheinander.

“die große gemeinsame Konstruktion” → “die große gemeinsame Verwirrung” → das große gemeinsame Chaos mündent in der Zerstörung, die sich über alles hinweg setzt und sich im Niedertramplen alles und jeden vollzieht.  “Es ist Neuanfang durch Zerstörung.” (Artaud)

Konstruktive Dekonstruktion folgt eigentlich jedem guten Bauvorgang (Bauen, Spielen, Einstapmfen). Seit dem Sandkasten existiert das Wissen darüber. Mit dem sonstigen Moment des Lobs der Steinausgabe (“das hast du aber toll gemacht”, möglicherweise sogar nicht nur Digital- sondern Polaroidfoto) wird diese Abfolge nicht unterstützt. Der ästhetisierte Moment des Gebaut-Habens steht im Vordergrund. Gemeinsames Bauen ist aber sehr sozial, es gibt viel Amüsement über das Gebaute der Anderen oder Unverständnis darüber, oder Neid, weil der letzte brauchbare Stein von wem anders verbaut wurde, oder Verblüffung, dass jemand alle Steine auf sich zulaufen lässt, oder Anerkennung für die anderen Baufantasien. Ein Wechselbad der Gefühle, bei deutlicher Spürbarkeit von Aggerssivität am Tisch dem gesprochenen Text gegenüber…

Oder einfach nur Zurücklehnen, sich dem Text ganz widmen, denn die Bauverantwortung wird von anderen Teilen des Sozialen bestens übernommen.

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