Rekonstruktion eines verschlafenen Tages

Ich kann mir nicht erzählen mich vollständig an einen Traum zu erinnern. Immer nur krieg ich im Nachhinein Bruchstücke hingeworfen. Aus denen soll ich dann einen ganzen Traum, eine zusammenhängende Geschichte basteln. Wie soll das gehen? Das glaub ich mir selbst nicht. Das geht soweit, dass es sogar Tage gibt die ich genauso erzähle, mir zusammenhängend mache und die werden ja auch erwartet. „Ich bin kein Verpackungsathlet“ sagt Paul Nizon. Ich unterstelle mir, dass mein Drumherum oft frei erfunden ist. Wenn ich alleine unterwegs bin, nicht mal fragen kann wo irgendwas war, wie irgendwas hieß, wie irgendwas war, wer noch mal usw. bin ich komplett auf mich selbst zurückgeworfen. Wie im Traum, den niemand teilt, sich so macht wie ich mir, so am Tag der womöglich ein verschlafener Tag ist.

Ich versuche im folgenden eine Rekonstruktion meines Tages, meiner Wege an diesem einen Tag. Mithilfe des Internets ergänze ich was ich nicht mehr erinnere. Es kommt mir nicht darauf an die Spuren weiter zu verfolgen als nötig. Der erste Blick genügt meistens, das Bild zu einer Vorstellung zu ergänzen. Auch im Internet bekomme ich nur ein anderes Bruchstück. Die Einträge brechen jäh ab. Das beste Suchergebnis für meine Suche nach dem verschlafenen Tag. Ein Plädoyer für die Unvollständigkeit, für die Erinnerung als Sieb, die Rätselhaftigkeit der Träume.

Vor der Flut geflüchtet (hektisch das Zelt abgebrochen) mit dem 4wheel drive über die slowenische Grenze. Am Rande der Erschöpfung in Ljubiljana angekommen den Berg hoch zum Schloss von Polhov Gradec wurde im 15. Jahrhundert errichtet und im späten 18. Jahrhundert im Barockstil renoviert. Im 19. Jahrhundert wohnte hier derder Graf Blagaj …

Unverständig erstaunt über dass „kolo wheel“ eine Lichtinstellation ein Beamer projiziert sich drehende Ringe auf von der Decke hängende ringförmige Projektionsflächen. Die Umstehenden glotzen ein bisschen. Der versprochene Sog stellt sich trotz Müdigkeit überhaupt nicht ein.

Taumeln durch die leergefegte Stadt. Es giesst, es ist Sonntag. Zum Fluss Ljubljanica ist die Lebensader der …. den Ufern jede Menge Restaurants, Kneipen und Läden dazugesellt.

Pizza in Alufolie für den Weg und mit Stadtkarte in der Hand quer durch die Stadt gerannt zur old city power station, built in the 19th century, is an important example of industrial architecture in Ljubljana. It has gone through a lot of changes … Das Elektrizitätswerk das jetzt ein Veranstaltungsort ist. Heute Abend eine Performance von Mala Kline: Eden

… Nach Studienaufenthalten in Amsterdam und New York erforscht die

slowenische. Performerin, Choreografin und Autorin Mala Kline weiterhin performative Potenzial des Traumbewusstseins.

Die Performerin versetzt sich in Rage. Unterstützt von tranceartiger, anschwellender Musik – den Kleinkinder im Publikum werden die Ohren, oft auch die Augen zugehalten – bricht sie nach einleitenden Worten, nervigem Grenzenstecken, Erklärgestus, rasend in den Zuschauerraum ein.

Das wirkt trotz allem Bühnenzauber recht bemüht – der Kontrollverlust ist vorgetäuscht, sie weiß genau was sie tut, denke ich. Sie fordert kokettierend dazu auf sich ihr zu nähern, sie zu küssen, sie wirft sich in Pose – es wird gelacht. Sie spielt mit Klischees aber fügt diesen nichts hinzu.

Die Kulisse – vielleicht keine Theaterbühne sondern ein anderer Aufführungsort. Ein leerer Nachtclub bildet die Bühne von «Eden»: Die Band hat Feierabend, nur noch Mikrofone, Gitarren, Barhocker und Kisten stehen herum. Mala Kline wird die Instrumente im Laufe der Performance Playback spielen, live singen und zeichnet sich durch eine raue Stimme aus. Traumartige Texte übersetzt aus dem Programmheft – wie passend – und dennoch Skepsis in Anbetracht einer Sprache, die sich wohl sofort als „traumartig“ identifizieren lässt und es deshalb unbedingt nicht ist. Die Erfindung des Traumes aus seiner Untersuchung von außerhalb, denke ich. Was sich vor meinen müden Augen abläuft ist nicht das Wage eines Traumes, das durch seine Dunkelstellen aufregend ist, sondern etwas inhaltlich Schwammiges, als ob sich der Abend zu einer klaren Aussage berufen fühlt, sich aber zu keiner durchringen kann.

Meine Vorstellungen von Bruchstückhaftigkeit von der wirklichen Unberechenbarkeit der Träume findet ich nicht bestätigt.

EDEN juxtaposes two worlds, simultaneously 

– arising in the encounter between a performer and an audience. The here and now of the theatre encounter collides with the world of images, existing inside and outside space as well as in arenas between bodies. entnehme ich danach, kurz vor der österreichischen Grenze, aus dem Programmheft und wünsche mir müde diesem Satz nicht weiter auf den Grund gehen zu müssen. Wie es sich vielleicht auch lohnt manche Träume nicht weiter zu verfolgen, sie zurückzulassen mit nichts weiter als einer Ahnung. Hier in Graz schlafe ich tief und erinnere mich an keinen meiner Träume.

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